Landesgartenschau 2021 und Aktionswochen Zukunftswald
Initiative Zukunftswald (IZW) Bayern am AELF Ingolstadt

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Der Klimawandel kommt – oder sind wir schon mittendrin? Unser Wald muss darauf vorbereitet werden: Durch regelmäßige Waldpflege und mehr Mischwald. Gemeinsam mit Ihnen als Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer möchten wir Ihren Wald auch für zukünftige Generationen fit machen. Wichtig sind eine regelmäßige Waldpflege und Durchforstung. Den Wald gleichzeitig als Lebensraum für seltene Tiere, Pflanzen und Pilze zu erhalten, erfordert besonderes Wissen und Fingerspitzengefühl.
Das Erfolgsrezept lautet: Wälder nutzen und gleichzeitig die Natur schützen.

Unsere Projekte

Landesgartenschau 2021

Der Amtsbereich des AELF ist nördlich von Ingolstadt und auf der Jurahochfläche durch Wälder mit einem dominierenden Fichtenanteil gekennzeichnet. Diese Wälder sind durch die Auswirkungen des Klimawandels (Trockenheit, Sturmereignisse, fortdauernde Borkenkäferkalamität) besonders stark betroffen. Waldumbau ist dringlich, gleichzeitig bestehen insbesondere im kleineren Privatwald enorme Pflegerückstände sowohl in mittelalten Fichtenrein- und Mischbeständen als auch in bereits vor wenigen Jahren umgebauten Mischbeständen. Der Anteil solcher Bestände nimmt beständig zu. Damit die Anstrengungen der Waldbesitzer und die erheblichen Investitionen gesichert werden, ist es erforderlich, die Aufmerksamkeit der Waldbesitzer und der Öffentlichkeit auf die Pflegeproblemstellung zu lenken und zum Handeln zu motivieren.

Aktionswochen Zukunftswald

23. April - 3. Oktober 2021
Die Landesgartenschau 2021 in Ingolstadt mit ihren tausenden Besuchern bietet die Gelegenheit eine breite Klientel (z.B. städtische Bevölkerung) zu erreichen und anzusprechen.

Im Vorfeld der Landesgartenschau wurden bereits in allen Revieren des AELF Bespielbestände für Pflege- und Umbaumaßnahmen ausgewählt und dokumentiert. Die Aktionswochen Zukunftswald dienen jetzt dazu, die Thematik der aktiven Gestaltung eines Zukunftswaldes aufzugreifen und dadurch auch mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Durch die Präsentation der gelungenen Maßnahmen aus dem Landkreis in Form von Plakaten und Videoaufnahmen werden authentisch Lösungsansätze vermittelt, die über die Landesgartenschau hinaus für z. B. Fortbildungen genutzt werden. Kernelemente sind deshalb die Präsentationen bzw. Aktionselemente in den Aktionswochen selbst. Zusätzlich werden die identifizierten beispielhaften Waldbestände bzw. Umbau- u. Pflegemaßnahmen für Fortbildungen in 2021 und darüber hinaus genutzt. Sie werden dauerhaft zugänglich gemacht und aktuell gehalten. Über QR- Codes lassen sich die Inhalte auch vor Ort im Wald direkt abrufen.

Sammelberatung und Fortbildung
Leitfaden Jungbestandspflege - Pflegeschritte

1.1. Ausgangssituation erkennen

Bevor über Zielsetzungen und Maßnahmen nachgedacht wird, ist es wichtig die Ausgangssituation zu erfassen. Wichtige Punkte in der Ausgangssituation sind das Alter des Bestandes, die Baumartenzusammensetzung und die standörtliche Eignung der vorhandenen Baumarten. Des Weiteren sind natürlich alle Punkte einer Bestandsbeschreibung einzubeziehen.

1.2. Feinerschließung

Die Wichtigkeit einer frühzeitigen Planung der Feinerschließung sollte zu Beginn der Beratung angesprochen werden.
Schlagworte: Systematisch, geradlinig, Pflegepfade (eventuell auch 15 Meter Abstand)

Den Teilnehmern sollte vermittelt werden:

  • Rechtzeitiges Einlegen der Feinerschließung verhindert spätere Zielkonflikte mit bereits geförderten Kandidaten
  • Eine Feinerschließung gliedert die Fläche
  • Erleichtert die Begehbarkeit
  • Erleichtert die Vorbereitung und Durchführung der Pflege
Allzu detaillierte Ausführungen sollten vermieden werden, da das Hauptthema Jungbestandspflege ist.

1.3. Ziele der Pflege

Mögliche Ziele sind:

  • Standortgemäße, klimatolerante Baumartenmischung sichern
  • Laubholz- und/oder Tannenanteile erhöhen
  • Stabilität und/oder Vitalität des Bestandes sichern und verbessern
  • Qualität steigern
  • Weichlaubholz in ausreichendem Umfang erhalten
Wichtig ist es den Waldbesitzern zu vermitteln, dass jeder Bestand individuelle Zielsetzungen hat. Diese Ziele kann der Waldbesitzer festlegen und durch Beratung der Forstverwaltung verfeinern. Zu den Zielen sollten jeweils auch die Auswirkungen auf das Bestandsbild erläutert werden. Diese Ziele können durch unterschiedliche Maßnahmen erreicht werden.

Wichtig ist, die passende Vorgehensweise für den jeweiligen Bestand zu finden:

  • Auswahl von Kandidaten
  • Zu dichte Nadelholzbestände ausdünnen
  • Mischbaumarten fördern
  • Jungbäume mit schlechter Qualität entfernen
Vorgehen im Bestand (Arbeitsverfahren):
Nachdem die Ziele und die Maßnahme erläutert wurden, kann nun die Umsetzung im Bestand thematisiert werden. Hier bietet es sich an, einige Verfahren zu demonstrieren. Unter Umständen können die Teilnehmer einige Werkzeuge testen.

2.1 Standortgemäße Baumartenmischung sichern

Auf Grund der unterschiedlichen Wuchsdynamik ist es erforderlich gewünschte Mischbaumarten zu fördern. Dies geschieht durch punktuelle Förderung oder durch truppweises Ausformen bei stark unterschiedlicher Wuchsdynamik.

2.2 Laubholz- und/oder Tannenanteile erhöhen

Selbst wenige Exemplare einer Baumart können durch konsequente Pflege im späteren Bestand größere Anteile einnehmen und als wertvolle Mischung erhalten bleiben

2.3 Stabilität und/oder Vitalität des Bestandes sichern und verbessern

Zu enger Dichtstand kann sich (vor allem im Nadelholz) stark auf die Vitalität und die Stabilität auswirken. Im Nadelholz ist es sehr wichtig den Bestand von Beginn an in Richtung Einzelbaumstabilität zu erziehen. Dies gewährleistet höchstmögliche Sicherheit im Hinblick auf Klimawandel, Sturmereignisse und Schädlinge.

2.4 Qualität steigern

Möglichkeiten der Qualitätssteigerung:

  • Wertastung im Zuge der Maßnahme
  • Entnahme von Protzen welche Kandidaten bedrängen (ohne den Dichtschluss zu unterbrechen)
  • Kandidatenförderung (allgemein) - Zuwachs wird aktiv auf die Wertträger gelenkt

2.5 Weichlaubholz in ausreichendem Umfang erhalten

Weichlaubholz ist vor allem im naturschutzfachlichen Sinne sehr wertvoll. Da es gleichzeitig oftmals keinen Wuchsnachteil für den verbleibenden Bestand hat, lohnt es sich, Weichlaubhölzer zu belassen. Nur wenn sie Kandidaten bedrängen, sollten sie entnommen werden.

Naturschutzfachliche „Leistungen “ der Weichlaubhölzer:

  • Bienen-/Insektenweide (Thema „Bienensterben“)
  • Frühzeitig Totholz und Höhlenbildung
  • Streuverbesserung durch schnell zersetzbares Laub

3.1 Auswahl von Kandidaten

Die Auswahl der Kandidaten erfolgt im späteren Z-Baumabstand von 8 – 10 Metern (entspricht 100 – 150 Bäume/ha). Diese Kandidaten werden mit Papierbändern oder Sprühfarbe dauerhaft gekennzeichnet und durch die Entnahme von 0 – 2 Bedrängern aktiv gefördert.
Die Kandidaten sollen vital, stabil und qualitativ hochwertig sein. Im Kandidatenkollektiv sind alle gewünschten Baumarten zu beteiligen. Bei der Kandidatenpflege bleiben die Zwischenfelder unbehandelt. Dies steigert die Differenzierung und erhöht die Struktur im Bestand.
„Zur Förderung des weiteren Dichtstandes, der Strukturvielfalt, aber auch zur Erhaltung einer Reserve an möglichen Kandidaten, sollten Sie in den Bereichen zwischen den ausgewählten Kandidaten keine Bäume entnehmen.“ Wegweiser Kulturbegründung und Jungwuchspflege

3.2 Mischbaumarten fördern

Jede Baumart hat ihr eigenes Wuchsverhalten. Daher ist es notwendig erwünschte Mischbaumarten aktiv zu pflegen und freizustellen.
Für eine möglichst große Baumartenvielfalt ist es wichtig, auch „unerwünschte “ Mischbaumarten (z.B. Weichlaubhölzer) zu erhalten, solange sie keine Kandidaten bedrängen.

3.3 Jungbäume mit schlechter Qualität entfernen

Qualitativ minderwertige Bäume oder Protzen sollten nur entfernt werden, wenn Kandidaten bedrängt werden. Dadurch wird der Arbeitsaufwand verkürzt, naturschutzfachlich hochwertige Grobformen bleiben erhalten und in den Zwischenfeldern bleibt der Dichtstand gewährleistet.

3.4 Zu dichte Nadelholzbestände ausdünnen

Nadelholzbestände müssen möglichst einzelbaumstabil erzogen werden, um das Bewirtschaftungsrisiko zu minimieren. Vor Allem in undifferenzierten Beständen ist Handlungsbedarf. Differenziert sind Bestände wenn im Abstand von ca. 6 – 10 Metern eine Fichte (Tanne) mindestens doppelt so hoch wie das allgemeine Niveau ist. Die natürliche Differenzierung beginnt meist ab einer OH von ca. 2 – 3 Metern. (frei nach Pflegerichtlinie BaySF)

Deshalb sollte in undifferenzierten Beständen eine der folgenden Maßnahmen durchgeführt werden:

  • Förderung von Kandidaten im Abstand von 8 – 10 Metern, durch entfernen aller Bäume (größer Halbe Höhe des Kandidaten) im Radius von 2 Metern
  • Standraumregulierung (auf schwach wasserversorgten Standorten / um Durchforstung zu erleichtern); Alle 2 x 2 Meter einen Baum stehen lassen, Rest entfernen; Mischbaumarten nicht vergessen / nicht entfernen!

Die Förderung von Kandidaten sollte bevorzugt werden, da:

  • Bessere / leichtere Einbeziehung von Mischbaumarten
  • Geringerer Arbeits- und Zeitaufwand
Der Eingriff sollte möglichst vor Überschreiten von 2 – 3 Meter Oberhöhe (OH) durchgeführt werden, die Fläche ist zu diesem Zeitpunkt einigermaßen übersichtliche und noch gut begehbar.
Achtung: Pflege in Fichtenbeständen von November bis Dezember durchführen, um die Waldschutzgefahr zu minimieren.

4.1 Abknicken

In schwächeren Beständen können die Bedränger einfach per Hand geknickt werden. Bei stärkeren Stämmchen kann durch ein leichtes Ansägen der Stämmchen der Kraftaufwand reduziert werden. Es gibt auch Abknickscheren, durch den engen Einsatzbereich sind diese u. U. nicht wirtschaftlich (Abknickschere nach Henkel; Grube-Artikelnr: 64-383).
Durch die aufrechte Haltung ist dieses Verfahren sehr ergonomisch und schnell. Zudem findet kein Stockausschlag statt, sondern die Bedränger dienen weiter als Bodenbeschatter und zur Schaftpflege, das Wachstum wird nach unten gelenkt. Dieses Verfahren ist vor allem bei Birke sehr erfolgsversprechend.

4.2 Abschlagen

Werkzeuge: Heppe, Schweizer Gertel, Schwedische Räumaxt
Anwendung: Bedränger vorspannen und abschlagen;mit weniger heftigem Schlag „abknicken “ möglich

4.3 Ringeln

Werkzeuge: Ringeleisen (z. B. „Kambiflex “), Ziehmesser und Drahtbürste,…
Zweck: Entnahme von Protzen, dosierte Entnahme / Lichtgabe, Dichtschluss bleibt erhalten
Achtung: Nicht im Nadelholz (Waldschutz!)

4.4 Abschneiden

Werkzeuge: Handsägen; Motorsäge; Freischneider; Akkusägen und Akkuspacer
Erhöhtes Stockausschlagsrisiko, vor Allem bei Schnitten in Hüfthöhe (Bu, Hbu, Li)

Handsägen (z. B. Japansägen):

  • Extensive Pflege, leichte Geräte, wenig zu tragen
  • Keine Abgase in dichten Kulturen

Motorsäge (leichte Astungssäge / Akkusäge):

  • Hohe Mengenleistung, auch bei stärkeren Stämmchen
  • Abgase ziehen in dichten Kulturen nicht ab
  • PSA erforderlich
  • Weniger ergonomisch: Vibrationen, erhöhtes Gewicht

Freischneider (Kreissägenblatt / Akkuspacer):

  • Für systematische Verfahren hohe Mengenleistung
    • Gassenanlage, bodennahe Schnitte ergonomisch gut möglich
    • Stammzahlreduktion, Reihenentnahme
  • Bei punktuellen Verfahren umständlich / sperrig
  • PSA notwendig

Sammelberatung und Fortbildung zur Jungbestandspflege

Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer können sich zu mehrstündigen Fortbildungsterminen zum Thema Jungbestandspflege anmelden. Die Termine werden in den Aktionswochen Zukunftswald von 27. Juni bis 03. Juli und vom 29. August bis 11.September 2020 für die einzelnen Reviere bekanntgegeben. Anhand der Beispielbestände werden dabei die einzelnen Pflegeschritte von Vorüberlegungen und Vorbereitung über Pflegeziele und konkrete Maßnahmen bis hin zu geeigneten Arbeitsverfahren vorgestellt und praktisch geübt.

Interessierte wenden sich dazu bitte an den für sie zuständigen Revierleiter des AELF Ingolstadt oder direkt an das Amt.

Örtliche Zuständigkeiten der Forstreviere

Ansprechpartner

Roland Beck
AELF Ingolstadt
Residenzplatz 12
85072 Eichstätt
Telefon: 0841 3109-3848
Fax: +49 841 3109-3854
E-Mail: poststelle@aelf-in.bayern.de

Die Initiative Zukunftswald in Bayern

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Die Initiative Zukunftswald in Bayern will Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer dabei unterstützen, die eigenen Wälder klimafit zu machen. Dazu hat das Staatsministerium einige Projekte auf den Weg gebracht.  

Initiative Zukunftswald Bayern - Staatsministerium Externer Link