Großer Zuspruch bei Besichtigung von Blühflächen und Fachgespräch
Von Wildbienen und Auerochsen

Personen stehen im Halbrund auf teilweise bewachsenem Weg

Wildbienen in alten Sonnenblumenstengeln, ungepflegte, aber blühende Felder sowie aktuelle landwirtschaftliche Themen wie Insektensterben oder Glyphosat bewegen immer mehr Bürger.

Im Markt Wellheim, einer ländlich geprägten Region im Urdonautal, mit intakter Natur, viel Wald und einer bäuerlichen Landwirtschaft trafen sich im Juni 2018 zahlreiche Imker, Jäger, Naturschützer, Landwirte und interessierte Bürger zur dritten Besichtigung von agrarökologischen Blühflächen, diesmal mit Fachgespräch über aktuelle landwirtschaftliche Themen.
Josef Schnell vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ingolstadt (AELF) begrüßte zusammen mit Bürgermeister Robert Husterer des Marktes Wellheim und Markus Hiermeier vom Ortsverband des bayerischen Bauernverbandes viele interessierte Teilnehmer und Vertreter von Verbänden.
Sich der gesellschaftlichen Diskussion fachlich stellen
Anwesend waren auch Mitglieder des Marktrates. Schließlich waren die kontroversen Diskussionen um den Einsatz von Glyphosat auf den drei Hektar verpachteten Flächen des Marktes der Grund, warum die agrarökologische Feldbegehung 2018 in Wellheim stattfand. Die heimischen Landwirte und das AELF wollten sich der gesellschaftlichen Diskussion auf fachlicher Ebene und anhand praktischer Beispiele stellen.
Mehrjährige Blühfläche
Zu Beginn wurde die Blühfläche auf einem 5.000 Quadratmeter großen Acker des Landwirts Johann Bauch, Konstein, direkt am Parkplatz der Ruinenkirche Spindeltal bei Konstein begutachtet. Dominik Fehringer, Wildlebensraumberater vom Fachzentrum Agrarökologie Pfaffenhofen, sowie Heinz Zacherl, Pflanzenbauexperte vom AELF, erläuterten, dass diese mehrjährige Blühfläche besonders gelungen sei. Der Einwand eines Imkers, dass die Blütenpracht für die Bienen doch eher bescheiden ist, korrigierte der Wildlebensraumberater umgehend. Auch wenn einige der 45 Arten von Blumen, Kräutern und Gräsern, die 2015 ausgesät wurden, nicht mehr blühen, dienten doch auch die abgestorbenen Stengel, zum Beispiel der Sonnenblume, insbesondere Wildbienen und Hummeln als Quartier.
Jeder Bürger gefordert
Ziel der vorgegebenen Ansaatmischungen ist es, zahlreichen Wildtieren und Insekten geeignete Nist-, Rückzugs- und Lebensräume zu bieten. Aber nicht nur auf die Landwirte, auch auf die Kommunen und jeden einzelnen Bürger kommt es beim Artenschutz an. Wildlebensraumberater Dominik Fehringer überreichte daher im Rahmen der agrarökologischen Felderbegehung Bürgermeister Husterer eine Infotafel zum Thema "Graswege-Säume-Altgrasstreifen" für die bereits langjährige Praxis der Gemeinde, gemeindliche Flächen und Straßenränder gezielter und damit weniger zu pflegen oder zu mulchen. Die Gemeindebürgern verstünden das nicht immer richtig, bedauerte Husterer. Umso mehr freue ihn die Anerkennung.
Projekt Urdonautaler Auerochse
Uwe Sachser, Untere Naturschutzbehörde Eichstätt, stellte das Projekt Urdonautaler Auerochse des Landkreises Eichstätt und des Marktes Wellheim vor. Das Landratsamt Eichstätt hat hier im Niedermoorbereich eine 12 Hektar große Fläche erworben, auf der Landwirt Martin Schimmer aus Wellheim seit vier Jahren mit großer Leidenschaft eine mittlerweile 23 Stück große Auerochsen-Herde betreut. Für den Arten- und Naturschutz im Wellheim ein wegweisendes Konzept, vor allem wenn in Zukunft die Tiere regional vermarktet werden könnten, wie Bürgermeister Husterer erfreut ausführte.
Bedenklicher Strukturwandel in der Landwirtschaft
In Anschluss an die Felderbegehung informierten Josef Schnell sowie Heinz Zacherl über die Landwirtschaft in der Gemeinde und zum Thema Glyphosat. Für eine ländlich, also landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft wie im Markt Wellheim, eingebettet in einen einzigartigen Naturraum, sei der gezielte, zunehmend reglementierte und daher zurückgehende Einsatz von Pflanzenschutzmittel längst nicht mehr das entscheidende Problem. Vielmehr gebe der enorme Strukturwandel in der Landwirtschaft, vor allem in der Tierhaltung, zu denken. Im gesamten Marktbereich Wellheim mit allen Ortsteilen seien bei über 2.700 Einwohnern nur noch 34 landwirtschaftliche Betriebe tätig, davon 9 im Haupterwerb. Es gebe lediglich noch 12 Tierhalter mit knapp 400 Milchkühen und 120 Mastschweine. Kein Landwirt halte über 25 Legehennen.
Unverhältnismäßige Diskussion um Glyphosat
Neben den ungünstigeren Produktionsvoraussetzungen sind nach Aussage Schnells die guten Einkommensmöglichkeiten in Industrie und Gewerbe die Hauptgründe für den Rückgang an Tierhaltung, die aufgrund der hohen Investitionen und enormen Arbeitsbelastung nicht konkurrenzfähig ist. Nachdem auch die Trinkwasserwerte sich verbessern und weit unter den gesetzlichen Grenzwerten sind, ist es aus Sicht der Fachleute vom AELF unverständlich, warum im Markt überhaupt eine solch kritische Diskussion zur Landbewirtschaftung entstehen konnte. Die Glyphosat-Diskussion in Wellheim, die in andern Gegenden der Welt doch deutlich notwendiger wäre, zeigt beispielhaft, wie weit die öffentliche Diskussion bei vielen landwirtschaftlichen Themen sich von den konkreten Verhältnissen vor Ort und den fachlichen Grundlagen entfernt hat.